Didaktisches Konzept der juristischen Studiengänge

Im Rahmen der Einführung des CORE-Prinzips an der SRH Hochschule Heidelberg hat die Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften das didaktische Studienkonzept in den juristischen Studiengängen umgestellt, evaluiert und im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses weiter entwickelt. Die Kompetenzvermittlung erfolgt mittels eines gestuften Kompetenzaufbaus, in welchem die Kompetenzziele an den mit den Aufgaben verbundenen Anforderungen der späteren Tätigkeitsfelder ausgerichtet sind. Hiernach werden studiengangsspezifische Kompetenzziele formuliert, die das Gesamtziel des Studiengangs beschreiben. Sie sind als Handlungskompetenzen formuliert, umfassen also regelmäßig Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen. Damit werden zugleich auch sämtliche Kriterien des Akkreditierungsrats (wissenschaftliche Befähigung, Befähigung zur qualifizierten Erwerbstätigkeit, Befähigung zu zivilgesellschaftlichem Engagement und Entwicklung der Persönlichkeit) erfasst. Zugleich wird in jedem Studiengang das Ziel verfolgt, die Kompetenzen von Modul zu Modul, aber vor allem von Studienjahr zu Studienjahr kontinuierlich und systematisch zu steigern. In den einzelnen Modulen der Studiengänge werden die Kompetenzen auf Lernziele herunter gebrochen und mit Blick auf die Gesamtzielsetzung des Studiengangs mit jeweils eigenen Kompetenzen hinterlegt.

Abbildung: Heidelberg Modell des gestuften Kompetenzaufbaus am Beispiel des Bachelor-Studiengangs Wirtschaftsrecht

Um die Kompetenzziele besser zu erreichen und ein frühes Grundverständnis für das Fach zu erzielen, liegt den Studiengängen sowohl eine geänderte zeitliche Struktur zugrunde – Module finden nicht mehr zeitgleich und parallel, sondern aufeinander aufbauend in 5-Wochenblöcken statt – als auch ein vielfältiger didaktischer Methodenansatz, bestehend aus Vorlesungen, Übungen, Fallarbeit, Praxissimulationen und Reflexionen. Fragestellungen werden z.B. in Präsenzzeiten und angeleiteten Selbststudienphasen gemeinsam mit den Dozenten erarbeitet und in Gruppen- und Einzelarbeiten vertieft.

Abbildung: Modell einer juristischen Lehr-/Lerneinheit

Studierenden werden in den Bachelor-Studiengängen ab Studienbeginn systematisch an die juristische Arbeits- und Denkweise herangeführt. Methoden und Arbeitstechniken als Schlüsselkompetenzen werden kontinuierlich auf steigenden Kompetenzniveaus mit Fachinhalten verzahnt.

Abbildung: Modell einer juristischen Lehr-/Lerneinheit

Für das studiengangseinleitende Schlüsselmodul `Methodik des Wirtschaftsrechts als Basis interdisziplinärer Kompetenzentwicklung´ wurde im Jahr 2013 ein Fellowship für Innovationen in der Hochschullehre der Baden-Württemberg-Stiftung verliehen,
Die didaktische Weiterentwicklung des juristischen Studiums unter Einbindung von Elementen des e-teachings und e-learnings ist eine konsequente Folge der Studiengangskonzeption. Neue Herausforderungen, wie sie z.B. durch die Generation der sog. digital natives auf die Hochschulen zukommen, werden aufgenommen und in das didaktische Konzept integriert. Zwar erfordert erfolgreiches juristisches Arbeiten weiterhin fundiertes Strukturwissen, dogmatisches Systemverständnis und die Beherrschung der juristischen Arbeitsmethodik.
Abbildung: Modell der Verknüpfung des Präsenzunterrichts mit eTeaching-Elementen
Die zunehmende Modularisierung und Verdichtung des Jurastudiums, die Forderung nach frühzeitiger Spezialisierung sowie die veränderte Lernweise der „Multitasking“-Generation limitieren jedoch die Freiräume für die Erarbeitung von komplexem, fachübergreifendem Grundlagenwissen sowie den Erwerb der nur durch eigene Falllösungsversuche erlernbaren Methodenkompetenz. Das Konzept einer elektronischen Lehr-/Lernplattform für anwenderzentrierte Wissensvermittlung im Jurastudium („eLAW“) soll als zentrales, das gesamte juristische Studium begleitendes eTeaching-Instrument den Präsenz­unterricht mit didaktisch gesteuerten, an die individuellen Lernbedürfnisse und den jeweiligen Lernfortschritt angepassten Selbstlernphasen verknüpfen, wodurch der zur Vermittlung und Anwendung der juristischen Arbeitsmethodik erforderliche Freiraum geschaffen wird. Schwerpunkt der Präsenzphasen ist damit nicht länger die Vermittlung von juristischem Fachwissen, sondern von juristischer Falllösungskompetenz (shift from knowledge to methodology). Damit einhergehend wird das geänderte Rollenverständnis des Lehrenden weg vom vortragenden „Dozenten“ hin zum Lerncoach und Arrangeur optimaler Lernumgebungen vertieft, wobei durch eLAW zugleich der Einsatz moderner, kompetenz- und anwendungsorientierter Lehrmethoden (z. B. Planspiele, Case-Studies oder Moot Courts) und kooperativer Lernformen (z. B. ePeer-Groups oder Lernwikis) ermöglicht und unterstützt wird.

 

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